Mittwoch, 23.11.16 – Meine ersten Arbeitswochen als Vikar in Norwegen

Ich war natürlich sehr aufgeregt ob ich das auch alles so hinbekommen werde, wie die sich das von mir wünschen. Und auch den ganzen Tag Norwegisch sprechen bin ich ja nicht gewohnt.

Am Dienstag bin ich dann mit Marco um 5.30 Uhr aufgestanden. So früh steh ich ehrlich gesagt zurzeit nicht auf, denn ich denke 8 Uhr ist auch ausreichend.
Nachdem ich dann geduscht und gefrühstückt hatte, hab ich mir noch eine Brotzeit hergerichtet. Und dann ging´s mit meinem kleinen Fahrrad nach Sandnes. Es ist überhaupt nicht weit. Man braucht nur etwa 10min, aber es ist ein ordentlicher Hügel dazwischen, sodass man sowohl beim Hin- als auch beim Zurückfahren immer bergauf und –ab fahren muss. Das ist ganz schön anstrengend, da der Berg jeweils gleich zu Beginn ist. Und da übersäuern die Oberschenkel ganz schnell. Aber es ist echt herrlich so früh unterwegs zu sein. Und mit hat die Fahrt immer sehr gefallen. Ich hatte strahlenden Sonnenschein, Sonnenaufgang, Regen, Eiseskälte (plötzlich hatten wir von +10° -13°; da hab ich übrigens meinen Rekord von 7min aufgestellt, denn ich wäre sonst glaub ich erfroren), Sturm. Es war alles mit dabei. Doch es war echt herrlich durch das bunte Laub zufahren, die frische Luft zu atmen und sich einfach auch ein bisschen verausgaben.

Okay wieder zurück zum 1. Tag. Als ich dann angekommen war, musste ich erstmal das richtige Stockwerk finden, denn die sehen nämlich alle gleich aus. Doch ich konnte mich noch an den Kalender erinnern, der auf „meinem“ Stockwerk hin und so ging die Suche relativ schnell.
Ich wurde dann dem Team vorgestellt. Dieses besteht aus der Chefin (die ich ja schon kenne, die hat aber mehr administrative Dinge zu tun und ist nicht wirklich unterwegs so wie die anderen), dann gab´s da noch die 2 Ergotherapeutinnen (M und L) und eine Physiotherapeutin (I – die andere Physiotherapeutin K ist ja nicht da und die soll ich ja solange vertreten), sowie die Frau des Kollegen von Marco (U). Diese ist eine „helsefagarbeider“in und ist so ein bisschen die Verbindungsstelle zwischen den anderen Trainern und den Therapeuten. Ich wurde gleich herzlich im Team aufgenommen und auch all die restlichen Angestellten, die in dem Gebäude (Altenheim, Physiotherapie, Kurzzeitpflege und noch vieles mehr) arbeiten, haben mich alle sehr herzlich begrüßt und mir viel Erfolg gewünscht. Das kann ich wirklich positiv anmerken, dass die hier alle sehr sehr nett waren und mich direkt ins Team integriert haben. Und Pause ist hier sehr sehr wichtig – wehe man geht mal ne Minute zu spät zum Pause machen, aber dazu später noch mehr.

Ich wurde, soweit es möglich und nötig war, eingearbeitet und bin dann am 1. Tag mit der Frau von Marcos Kollege unterwegs gewesen. (Ich möchte keine Namen nennen, ich werde sie ab jetzt immer abkürzen)
Es war eigentlich ganz spannend und ich konnte auch gleich hilfreich sein. Und stellt euch das mal vor mit meinen norwegisch Kenntnissen. Denn die Patientin war selber Türkin und hat davor in Schweden gelebt. Und die Dame sprach selbst nicht so gut Norwegisch bzw. Schwedisch und ich hab sehr schnell gelernt, wenn ich ein Wort nicht weiß oder kenne, dann umschreib ich es. Und damit konnte ich heute punkten. War ein tolles Gefühl. (Das ist ab und zu ein kleines Problem der Norweger, dass wenn du was nicht verstehst, dass sie es einfach nur 1000mal wiederholen, statt es anders zu umschreiben.)

Der 1. Tag war sehr spannend und ich kann mich leider auch nicht mehr wirklich an mehr erinnern, aber an sich ist das ja auch nicht so wichtig und interessant für euch.

Die weitere Woche war wirklich sehr stressig, denn ich hab jeden Tag dort gearbeitet und nachmittags hatte ich dann meine eigenen Kunden und an 2 Abenden hatten wir noch Norwegisch Kurs. Das war also eine sehr anstrengende Woche, doch ich hatte echt Spaß!

Aber mit jedem Tag hab ich mehr Verantwortung und Aufgaben bekommen. Und als ich dann abends im Bett lag, hat mein Kopf nur noch Norwegisch gedacht. Das war echt unheimlich, denn mir sind teilweise die deutschen Begriffe nicht mehr eingefallen und auch jetzt noch beim Schreiben muss ich echt aufpassen. Ist ja eigentlich ein ganz guter „Nebeneffekt“, dass mein Norwegisch besser wird. Und vor allem endlich mal gebraucht wird. So richtig, nicht nur für 5 Stunden in der Woche.

Leider muss ich sagen war ich an sich trotzdem nicht sehr zufrieden mit dem Vikariat, denn die sind dort sehr sehr unorganisiert. Ich wusste manchmal nicht wann und wie lange ich am nächsten Tag arbeiten sollte, meine Zugangsdaten zum PC und deren System haben über 2 ½ Wochen gebraucht, weil sie erst der falschen meine Daten geschickt hatten und diese war nämlich im Urlaub und bis jetzt hab ich noch nicht Zugang zu allem was ich bräuchte um meine Arbeit ordentlich machen zu können. Das heißt ich musste am Anfang immer warten bis ein PC frei wurde und derjenige, der sich dort eingeloggt hatte musste mich dann kurz zum Dokumentieren oder zum Erstellen von Trainingspläne an den PC lassen. Das war natürlich sehr lästig und unproduktiv. Dann kamen sie auf die Idee, mich so wenig wie möglich kommen zu lassen (ist ihr Recht und macht ja auch Sinn). Leider haben sie´s übertrieben, denn sie wollten mir die Zeiten zum Dokumentieren und Erarbeiten des Plans und auch zur Informationssuche über den Patienten klauen. Wie soll ich denn da eine ordentliche Arbeit abliefern, wenn ich zu einem Patient gehe und überhaupt nichts über ihn und seine Vorgeschichte weis oder zu einer Trainingsübergabe ohne Mappe auftauche. Nicht sehr professionell. Leider hat sich auch keine so wirklich für mich verantwortlich gefühlt und alle haben mich nur auf den anderen verwiesen. Das war leider sehr schade.

Positiv ist noch zu erwähnen, dass dort keiner an Stress leidet. Jeder deutsche Physiotherapeut würde zu weinen beginnen, wenn er das sehen könnte wie die dort arbeiten (ich hoffen ein bisschen, das war nur in dieser Abteilung so). Denn man hat da auch einfach mal ne Stunde Pause gemacht und es war auch kein Problem kleine Besorgungen während der Arbeitszeit zu machen. Wenn ich denn Laden schmeißen würde, dann würden wir statt 3 Patienten am Tag mindestens 5-7 schaffen. Da ist also noch Luft.
So hatte man eine ganze Stunde Zeit um mit dem Patient zu quatschen. Ist wirklich sehr angenehm.

 

Ich hab jetzt leider ein bisschen kreuz und quer geschrieben, ich hoffe ihr konntet mir trotzdem folgen. Ihr könnt mir gerne Fragen stellen, wenn ich noch mehr erfahren wollt.

Leider werde ich nicht mehr wirklich gerufen, denn die kranke Physiotherapeutin ist wieder zurück. Das war trotzdem eine tolle Erfahrung und ich hoffe sie werden mich auch in Zukunft nochmal kontaktieren falls sie eine Vertretung brauchen. Und auch für meinen Lebenslauf war das nicht das schlechteste.

Jetzt habt ihr einen kleinen Eindruck, von meinen Erfahrungen als Vikar in Norwegen, bekommen.

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2 Gedanken zu “Mittwoch, 23.11.16 – Meine ersten Arbeitswochen als Vikar in Norwegen

  1. Liebe Annka,
    schade, dass dieser Einsatz so kurz war. Aber wir glauben trotzdem, dass alles für die Zukunft recht viel versprechend ist. Wichtig ist, dass die von dir betreuten Menschen zufrieden sind -dass sie zufrieden sind weil deine Empfehlung hilft. Du solltest dich nicht davon abhalten lassen, mit deiner Erfahrung Gutes zu tun. Das ist das Wichtigste und wenn Andere von deiner Erfahrung profitieren, darfst du dich nicht abhalten lassen und einfach das tun, was am Besten hilft. Wenn du hilfst, darfst du dich auch nicht ausgenutzt fühlen.
    Wir wünschen euch eine besinnliche Adventszeit und alles Liebe. Herzliche Grüsse auch an Marco von
    Oma und Opa

    Gefällt 1 Person

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